Spezial: Dr. Mahmood Abo Mostafa

Shownotes

Der Dortmunder, der am Evangelischen Krankenhaus in Castrop-Rauxel arbeitet, hat sechs Kinder, kam im Alter von 18 Jahren zum Studieren aus Chan Yunis, der zweitgrößten Stadt im Gazastreifen, nach Münster und Erlangen, um dort Medizin zu studieren. Heute ist er seit zehn Jahren Chefarzt für Unfallchirurgie und Orthopädie und ein Fachmann für Schulter-Endoprothetik.

Über seinen Weg nach Deutschland, warum er französischer Staatsbürger ist, welche Rolle er am EvK spielt, warum die vergangenen zehn Jahre und vor allem die letzten drei nicht immer eine Freude waren und wo er sich in fünf oder zehn Jahren sieht, haben wir besprochen. Und die Frage nach Fallzahlen und medizinischem Ethos hat er uns auch beantwortet.

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Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:06: Sommerzeit ist ja immer so ein bisschen auch die Zeit von Laziness und Relaxing.

00:00:11: Und

00:00:12: genau das machen wir

00:00:14: in diesem Sommer, auch!

00:00:16: Das heißt nicht dass wir uns in die Hängematte legen und der Podcast ausfällt?

00:00:20: Nein... Wir machen es nur ein bisschen anders.

00:00:23: Hallo erstmal ich bin Tobias Weckenbrock und ich begrüße euch hier Ende Juli Anfang August dass ihr wieder den Podcast hört, der sich etwa einmal in der Woche Auskastverbrauchsel mit Kastverbräuchsel beschäftigt.

00:00:39: und in diesem Sommer laden wir Gäste ein.

00:00:42: Externe Gästen!

00:00:43: Und nehmen Spezial-Episoden auf – das sind immer die Folgen, in denen wir nicht im Kurznachrichtenblock die wichtigsten News der Woche servieren und dann in Kollegen gesprochen hintergründig einsteigen in unsere Recherchen sondern das sind die Folgen und Episoden, in denen wir externe Gäste haben.

00:01:02: Also Menschen aus Kastoprauksel, die uns etwas über ihr Leben in der Stadt oder ihre Arbeit erzählen.

00:01:09: In den vergangenen Tagen und Wochen hatten wir schon solche Spezialfolgen unter anderem über Svenja die vor sechzehn Jahren bei der Lovebreak ums Leben kam.

00:01:19: Im Sommer ist ja auch Zeit für launige und nette Gespräche, das steigen wir gerade schon mal ein!

00:01:24: Ich hab euch einen Gast vom evangelischen Krankenhaus und das ist Dr.

00:01:29: Mohamed Abomustafar, richtig?

00:01:32: Machmut.

00:01:32: Entschuldigung, da bin ich schon falsch.

00:01:34: Jetzt habt ihr ihn schon gehört an der Stimme erkannt vielleicht?

00:01:37: Er ist Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus in Castro-Braux und das seit zehn Jahren Und ich finde so ein Jubiläum hat dann auch mal eine Einladung im Podcast verdient und ich freue mich total dass er da ist.

00:01:48: Und wir sprechen gerade über Familie und Erdmeer erzählt, dass er sechs Kinder hat.

00:01:52: Ja das ist richtig.

00:01:53: Die sind alle wie alt so Herr Mustafa?

00:01:55: Äh

00:01:56: die Jungs wird demnächst sechzehn und der älteste ist dreißig.

00:01:59: ich habe fünf Tüchter und einen Sohn.

00:02:02: Und die sind in der ganzen Welt oder Europa verteilt?

00:02:04: Ja sozusagen ein Teil ist in Frankreich Ein Teil in Deutschland und ein Teil eine Tochter ist in Jordanien.

00:02:10: Wie oft sehen sie sich so?

00:02:12: Also die ganze Familie hat sich seit einigen Jahren nicht Gemeinsam gesehen, aber einzelne Treffen gibt es jedes Jahr alle paar Monate.

00:02:22: Wie schmerzhaft ist das für ein Vater, wenn man nicht alle zusammen hat?

00:02:26: Wenn ich die Jungs längere Zeit nicht sehen würde, das wurde mir wirklich weh tun.

00:02:29: Aber die Eltern haben ihr eigenes Leben und der Studiumarbeit und von daher ... Ich finde schön, dass man immer wieder sich sieht.

00:02:37: Man muss es nicht jeden Tag machen.

00:02:40: Sie arbeiten als Mediziner.

00:02:41: Wie viel Medizin steckt im Rest der Familie bei ihrer Frau oder ihren Kindern?

00:02:45: Also in der Tat gar keine Medizin in der Familie.

00:02:48: Ich bin da einzige Mediziner, allerdings in der größeren Familie das heißt meine Geschwister.

00:02:55: ich habe einen Bruder ein älteren Bruder der auch Unfallchirurg ist und zwei Schwester sind Krankenschwestern.

00:03:02: aber bei mir in der Familien meine eigene Kinder keiner wollte Medizin studieren oder irgendwas mit Medizin zu tun haben.

00:03:08: Findest

00:03:08: du das schade oder traurig?

00:03:09: Oder sagen sie auch die sollen ihren eigenen Weg gehen?

00:03:12: Absolut nicht.

00:03:13: Also ich finde es in Ordnung, dass jeder seine Interessen hat.

00:03:17: Schließlich wird man ja im Durchschnitt vierzig Jahren den Beruf ausüben.

00:03:20: Dann muss man wirklich hundert Prozent dahinter stehen und von daher haben sie sich alle für was anderes entschieden.

00:03:25: Warum

00:03:25: sind Sie Arzt geworden?

00:03:27: Das hat angefangen in meiner Kindheit.

00:03:31: Ich bin in Palästina am Gasserstreifen geboren.

00:03:34: aufgewachsen bereits mit fünf sechs Jahren habe ich schon gewusst das ich Rok werden wollte Bedingt durch die Umstände, die ich gelebt habe.

00:03:42: Ich bin in einer Flüchtlingslage aufgewachsen und habe sehr viele Verletzte gesehen.

00:03:47: Ich war handwerklich schon als Kind ... hab' ich nicht den Denk gehabt, manuell zu arbeiten!

00:03:53: Das hat sich dann getroffen und das war mein Traum immer wieder Chirurg zu werden und das habe ich Gott sei Dank auch erzielt.

00:04:01: Wie ist dann der weitere Berufsweg gewesen?

00:04:03: Also als Kind, wann haben Sie dann... Ich weiß nicht.

00:04:06: Schule konnten sie ganz normal machen in Gaza oder war das nicht möglich wegen der Situation dort?

00:04:11: Wie war das damals?

00:04:12: Also ich bin zweiundsebzig geboren.

00:04:15: Ich habe die Schule ganz normal besucht bis zu meinem achttente Lebensjahr.

00:04:19: Habe auch mein Abitur dort gemacht und...

00:04:20: In der Hauptstadt in Gaza statt oder...?

00:04:22: In der Canyonis.

00:04:23: Das ist die zweitgrößte Stadt beziehungsweise Flüchtlingslager, dass dazu gehört.

00:04:28: Und, äh, neunzehundertneunzig habe ich meinen Abschluss gemacht.

00:04:32: Ein... mich beworben bei der deutschen Botschaft beziehungsweise in Deutschland für ein Studiumplatz bekommen und ganz regulär normal mit Studiumvisum nach Deutschland am Weihnachten neunzig eingereist.

00:04:48: So da konnten Sie hier noch kein Wort Deutsch.

00:04:49: oder wie waren sie da vorbildend?

00:04:51: Einen Wort konnte ich.

00:04:53: Guten Tag nein.

00:04:53: Botschaft!

00:04:54: Ach so okay Wie haben Sie es gelernt?

00:04:59: Ich habe Deutsch in Deutschland gelernt.

00:05:01: Ich konnte sehr gut Englisch damals und dann habe ich in Erlangen an Sprachkurs besucht bei einem Privatinstitut, und anschließend habe ich mich angemeldet für ein Vorbereitungss Jahr.

00:05:14: das nannte sich damals Studienkolleg Und das habe ich Münster Nordrhein-Westfalen besucht für zwei Semester und anschliessend habe mein Abschluss gemacht mit meiner Abiturnote plus.

00:05:27: Im Abschluss von diesem Vorbereitungsjahr konnte ich mich für mein Studium Platz für die Medizin bewerben.

00:05:33: Okay, und wie Abiturabschluss haben Sie dann quasi schon in Gaza komplett erworben?

00:05:38: Und er wurde ja auch anerkannt oder... Eben nicht!

00:05:40: Deswegen musste ich dieses Jahr damals machen.

00:05:43: also der Abiturt wurde nur zum Teil anerkannt das wurde abiturnote nur zu fünfzig Prozent angerechnet und ich musste hier eine sehr gute Note bekommen damit da Durchschnitt Ein Studiumplatz reicht.

00:05:56: Und wie hoch war der Durchschnitt?

00:05:57: In Deutschland, eins,

00:05:58: drei.

00:05:59: Wahnsinn!

00:06:00: Ohne hier aufgewachsen zu sein, Hut ab.

00:06:04: Man muss ja auch erst mal mit den gesellschaftlichen Bedingungen zurechtkommen.

00:06:09: Ich meine es ist kalt und man versteht die Menschen nicht.

00:06:12: Die sehen irgendwie aus.

00:06:14: Wie war das für Sie als sie herkamen?

00:06:16: War das ein heftiger Kulturschock oder haben Sie sich ganz schnell akklimatisiert?

00:06:21: Unterschiedlich, als Kulturschuk erlebt glaube ich fast jeder der vom Süden nach Norden kommt und umgekehrt.

00:06:27: Allerdings habe ich hier ein Ziel vor Augen gehabt und ich habe mich darauf fokussiert.

00:06:33: dadurch dass ich im Studentenwohnheim gelebt habe, habe ich Kontakt zu vielen Studenten gehabt aus der ganzen Welt.

00:06:41: Ich hab die Möglichkeit gehabt auch sofort die deutsche Sprache zu erlernen weil ich ja gezwungen war zu sprechen.

00:06:47: das war ein Vorteil.

00:06:50: Kultur insgesamt habe ich eigentlich eher ein bisschen später sogar mehr Schwierigkeiten gehabt, weil man ja im Studentenwohnheim das nicht richtig mitbekommt.

00:07:01: Man hat mehr mit ausländischen Studentinnen zu tun und man hat weniger mit dem Alltag an sich zu tun.

00:07:08: aber nach...

00:07:08: Wie kam das?

00:07:10: Im Studium gerade wenn man Arbeit gesucht hat?

00:07:14: damals waren die Verhältnisse ganz anders als hier.

00:07:16: als Student durfte man nur in den Ferien arbeiten.

00:07:21: Das war für mich wichtig, um mein Studium selber zu finanzieren.

00:07:24: Was

00:07:24: haben Sie dann gemacht während der Semesterferien?

00:07:27: Alles was man sich vorstellen kann.

00:07:28: Erzählen Sie!

00:07:29: Also ich habe in verschiedenen Fabriken als Aushilfe gearbeitet.

00:07:33: Ich habe lange Zeit in einer Druckerei gearbeitet, ich habe eine Handelskette im Lager gearbeitet aber in den letzten Semestern habe ich alles Pflegekraft im Krankenhaus gearbeitet das mir geholfen hat nicht nur finanziell mein Studium zu finanzieren, sondern auch medizinisch parallel mich weiterzuentwickeln.

00:07:52: Das

00:07:52: heißt so ein Stipendium oder Ähnliches hatten Sie gar nicht?

00:07:55: Sie mussten sich das alles selbst erarbeiten.

00:07:57: Ich

00:07:57: habe kein Stubendium gehabt aber es gab immer wieder von verschiedenen Institutionen gerade zu den Examinern die Möglichkeit die sich um ein begrenztes Stubidium zu bewerben.

00:08:11: das hab ich auch gemacht zweimal, aber das waren wirklich nur für die Zeit damit man in den Ferien auch die Examinern machen kann.

00:08:17: Aber das hätte niemand gereicht.

00:08:21: Also haben Sie nur ein paar tausend Mark bekommen?

00:08:23: Genau so ist

00:08:23: das ganze Studium und den Rest selbst irgendwie erarbeitet.

00:08:26: So ist

00:08:26: es!

00:08:26: Sind sie denn alleine hergekommen oder hatten sie Brüder verwandte Freunde?

00:08:30: kannten sie jemanden hier vielleicht aus Palästina oder waren sie vollkommen auf sich allein gestellt?

00:08:35: Ehrlich gesagt Deutschland war niemals mein Ziel Aber es war zwangsläufig so.

00:08:40: Ich habe zwei Brüder vor mir in Deutschland gehabt, der ältere, sechs Jahre älter ist.

00:08:46: Unfallschirurg hatte damals Medizin studiert in Erlangen.

00:08:50: das ist der Grund warum ich auch nach Erlange gekommen bin.

00:08:53: und ein zweiter Bruder der zwei Jahre ältester ist als ich, der ist Ingenieur hat Maschinenbau in Darmstadt studiert.

00:09:01: also sie waren vor mir da und dann war's für die Familie einfacher den dritten Sohn auch nach Deutschland zu schicken, dass die Familie einigermaße beieinander ist.

00:09:10: Ihre Eltern leben die noch oder sind sie verstorben?

00:09:12: Die sind vor einigen Jahren verstorbt ja.

00:09:14: Aber im Gazaschreifen noch gelebt bis zuletzt?

00:09:17: Mein Vater ja aber meine Mutter hatte sich einen Schinklerspruch zugezogen musste.

00:09:25: also sie ist in Gaza operiert worden aber nicht so gut.

00:09:27: deswegen musste wir sie nach Jordanien holen.

00:09:31: Dort ist sie oberiert worden und sie konnte aber nicht zurückkehren wegen der Sicherheitslage.

00:09:37: Und leider nach zwei, drei Jahren hat sie eine schwere Erkrankung erletten und ist verstorben danach in Jordanien.

00:09:44: Das heißt jetzt vor Wandschaft ersten Grad.

00:09:46: haben Sie nicht mehr in Gaza oder haben Sie da enge Verbindungen noch hin?

00:09:50: Natürlich meine zwei Schwestern leben dort mit ihren Kindern plus meinen Onkel und Cousins usw.

00:09:56: Wir haben unser Haus dort, wir haben ein Grundstück dort.

00:09:59: Okay, können Sie aber auch nicht hinreisen.

00:10:01: seit ein paar Jahren jetzt?

00:10:02: Seit den Anschlägen oder

00:10:03: das letzte mal dass ich in Gaza war war.

00:10:05: Zwei tausend sechs.

00:10:06: damals gab es einen züchtenfall an der grenze und ich konnte sogar gar nicht ausreisen.

00:10:13: Und ich musste ich bin ja französischer staatsbürger Ich musste meinen konsulat kontaktieren und der konsul hat das organisiert hat mich bei einem abenteuerlichen einsatz mit gebanntes Atemfahrzeug, Bodyguards und so weiter aus dem Gaserstreifen rausgeholt.

00:10:30: Warum sind Sie französischer Staatsbürger?

00:10:32: Ganz einfach weil meine Frau Französin ist.

00:10:35: Und ja früher war ich ja staatlos offiziell, weil den Staat Palästina

00:10:42: also

00:10:42: bis vor ein paar Jahren nicht mittlerweile Autonomiebehörde ist anerkannt und bei manchen Bereichen sind wir als Staat anerkannt.

00:10:51: aber Ich habe die Staatsbürgerschaft bekommen und damals war ich hier staatlos.

00:10:59: Und die staftfranzösischen Behörden sind selber auf mich zugekommen, haben mir vermittelt, dass sich das machen sollte.

00:11:06: Das hab' ich auch gemacht.

00:11:07: Ihre Frau haben Sie aber in Erlangen kennengelernt oder

00:11:09: was?

00:11:09: Richtig!

00:11:11: Ich habe meine Frau am siebten Januar einen Neunzig kennen gelernt Zufällig die erste Person im Studentenwohnheim, als ich das erste Mal in der Küche betrachte und die erste Begegnung.

00:11:27: Es hat gefunkt!

00:11:29: Und gehalten bis heute?

00:11:30: Echtlich!

00:11:31: Glückwunsch dazu, das ist toll!

00:11:32: Vielen Dank, danke schön!

00:11:33: Das heißt jetzt leben Sie ja schon.

00:11:35: seit wieviel Jahren dann in Deutschland?

00:11:36: Im

00:11:37: Zusammengericht sind es fünfunddreißig Jahre.

00:11:39: Wahnsinn!

00:11:40: Aber weil man eine EU-Staatsbürgerschaft hat kann man eine Deutsche natürlich nicht auch noch annehmen.

00:11:45: wahrscheinlich...

00:11:46: Könnte man annehmen, meine zweitälteste Tochter hat in der Tat die deutsche Staatsbürgerschaft.

00:11:51: Aber weil wir alle sonst Franzosen sind ehrlich gesagt ich habe das bisher nicht gebraucht und ich bin eigentlich gar nicht ablehnt nur... Man hat nicht den Drang unbedingt so machen dass es zu mehr administrativen Aufgaben usw.

00:12:08: Sie

00:12:08: sprechen dann aber also arabisch wahrscheinlich französisch oder englisch deutsch?

00:12:13: Ich spreche in der tat

00:12:14: vier Sprachen ja

00:12:15: Und alle gleich gut oder?

00:12:17: Wurde

00:12:17: ich nicht sagen.

00:12:18: Ich glaube, Arabisch ist meine Muttersprache Deutsch.

00:12:20: Das sind die Sprachen in der ich jeden Tag spreche und in der auch träume.

00:12:25: Und ja, die Sprache, die ist Liebe.

00:12:28: Französisch ist eine wunderschöne Sprache.

00:12:30: Spreche ich mit der Familie wenn ich im Frankreich bin meiner Frau.

00:12:33: Und Englisch ist die internationale Sprache.

00:12:37: das gehört einfach dazu.

00:12:38: Ich habe aber auch ein bisschen Hebrech gelernt als ich zu Hause war.

00:12:41: Ich kann lesen schreiben Aber sprechen habe ich einiges verlernt

00:12:46: Von Erlangen, und Sie waren kurz in Münster haben sie ja gesagt für dieses Vorbereitungsjahr in Anführungsstrichen.

00:12:51: Wie ging der Weg dann weiter?

00:12:52: Warum sind Sie jetzt am Ende im Kassau-Brauchsel gelandet bzw.

00:12:55: Sie wohnen hier in Dortmund?

00:12:57: Sehr interessante Frage!

00:12:59: Ich habe nichts geplant ehrlich gesagt.

00:13:02: Also ich hab mich nach dem Abschluss vom Vorbereitungssjahr an Münster für ein Medizinstudium beworben Und mir wurde ein stündiger Platz in Würzburg zugeteilt in Bayern Und dort habe ich auch studiert, mein Abschluss gemacht und der Plan war nach Frankreich auszuwandern.

00:13:21: Aber weil wir finanziell wirklich pleite waren hat meine Frau und ich haben entschieden ein Stadt ist ein neues Abenteuer anzufangen in Frankreich ein bisschen die finanzierende Lage vielleicht ein bisschen aufzubessern und dann später den Wegster nach Frankreis vorzunehmen.

00:13:37: Somit habe ich die Karte einfach genommen und geschaut welche Städte in der französischen Grenze in Deutschland Krankenhäuser haben Und mich ja bei fünfzehn Krankenhäuser beworben und ich habe einen Platz für die Ausbildung im Ortenaukreis in der Nähe von Straßburg bekommen.

00:13:57: Dort hab' ich meinen Facharzt gemacht, für Chirurgie allgemein Chirugie dann Schwerpunktunfallchirurgien.

00:14:03: Für anderthalb Jahre habe ich gewechselt nach Lahm-Schwarzwald das ist Lehrkrankenhaus der Uni Freiburg Und dann habe ich als Oberarzt weitergearbeitet, bis meine Frau und meine Kinder mir gesagt haben.

00:14:14: Schwarzwald ist wunderschön aber sonst langweilig.

00:14:17: das ist wenig los hier und wir wollen ein bisschen mehr erleben.

00:14:21: Dann habe ich mich entschieden zu wechseln und ich habe eine Stelle in Lüdenscheid gefunden.

00:14:26: so habe ... als Oberarzt von Achan im Ortonaukreis nach Lüdenscheid gewechselt.

00:14:33: Genauso, Sauerland ist auch genauso wie Schwarzwald

00:14:36: anders?

00:14:36: So ist es.

00:14:36: am Anfang habe ich mir gedacht okay... Ich möchte nicht in Lüdencheid wohnen in Dortmund.

00:14:40: das ist ein bisschen schöner und man hat gerne viele Unternehmen aber die Landschaft in Lütenscheid ist hervorragend.

00:14:49: also das war wirklich sehr schön.

00:14:51: Ja und nach drei Jahren Lügenscheide bin sehr schnell dann aufgestiegen zum leitenden Oberarz.

00:14:57: Und nach drei Jahren habe ich mir gedacht, okay das ist schön und gut.

00:15:02: Ich habe sehr viel gelernt aber das pendeln jeden Tag und manchmal habe ich zwei Stunden auf der Autobahn verbracht.

00:15:08: Das

00:15:09: war noch bevor die Brücke abgerissen werden musste?

00:15:11: Genau

00:15:12: so ist es ja!

00:15:13: Dann habe ich mich gedacht ok ich suche was in der Nähe und so habe ich in Castro Brauxel eine Stelle gefunden hab dort angefangen.

00:15:22: Also wie gesagt ist nicht so geplant aber hat sich so ergeben.

00:15:26: Wie kommt das denn, dass man so stark Karriere macht?

00:15:28: Also leitender Oberarzt schon in Lüdenscheid und so.

00:15:31: Waren Sie einfach so gut in Ihrem Job?

00:15:35: Ich lasse das dann anderen das Wort teilen aber ich kann nur sagen, dass ich niemals mich beworben habe für eine leitende Oberartstelle und niemals auch für die Chef-Arztstelle nicht.

00:15:46: Ich hab gewechselt war der jüngste Oberart zwischen vier in Lüdenscheid.

00:15:51: Der nächste war sieben acht Jahre älter, war zehn Jahre im Haus.

00:15:55: Und die Frage vom Chefarzt damals, wie stellen Sie sich vor?

00:15:58: Wie es sich weiterentwickeln wird.

00:16:00: und wo sehen sie sich in ein paar Jahren.

00:16:02: Dann habe ich gesagt, ich möchte mich nur ins Team integrieren und schauen dass ich selber zurechtkomme zumal das Haus sehr groß ist.

00:16:10: Nach drei Monaten kann man auf mich zu, dann hat er mir gesagt also das ist viel zu schade, dass sie jetzt nur als normaler Oberarzt fungieren, sie sollten aufsteigen.

00:16:18: Der Leitende Oberarz damals war zwanzig Jahre älter und wollte sowieso den Niedergelassenen Bereich gehen Und somit bin ich aufgestiegen.

00:16:27: Irgendwann nach Kastro Broksel bin ich nicht als Chefarzt gewechselt, sondern als Abteilungsarzt.

00:16:33: Das ist im Prinzip ähnlich wie Leitender Oberarzt.

00:16:36: Ich habe aber Chefarz-Liquidation gehabt weil ich ein breiter Spektrum hatte und bestimmte UPs habe ich mitgebracht die nicht im Haus waren.

00:16:45: also ich durfte auch Privatpatienten selber behandeln usw.

00:16:48: Aber nach circa sechs sieben Monaten haben wir gemerkt dass der Aufstieg bzw.

00:16:53: die Geschiffsführung hat entschieden dass ich die Chefarztstelle übernehmen soll.

00:16:58: Da hat man dann natürlich, sagt ja leitende Oberarzt und Chefarzte auch schon, da hat man weitere Aufgaben.

00:17:04: also man leitet Teams, man ist quasi der Chef.

00:17:08: Man muss vermutlich keine Dienstpläne schreiben aber doch irgendwie auch Krisengespräche führen wenn es Probleme gibt oder so und man hat unheimlich viel andere Verantwortung über das fachliche hinaus.

00:17:21: Liegt Ihnen das sehr?

00:17:21: Oder würden Sie sagen sie machen eigentlich lieber die Operation.

00:17:26: Ich glaube, es ist ein Automatismus.

00:17:28: Das lässt sich nicht vermeiden, egal wo ich war.

00:17:30: Ich war auch als junge Assistentart der Assistentensprecher und habe die Dienstpläne gemacht für die Oberärzte genauso wie die Jungs der Oberarzt.

00:17:39: Ich glaube das ist eine Eigenschaften, die wir nicht direkt beeinflussen können.

00:17:44: Natürlich kann man das wollen oder nicht wollen und das macht auch die Qualität aus ob man dahinter steht.

00:17:50: Aber ich glaube, das gehört zu meiner Persönlichkeit.

00:17:54: Selbst wenn ich das nicht wollte...

00:17:55: Wie führen Sie so?

00:17:56: Sind sie streng?

00:17:58: Hören Sie aufs Team?

00:18:00: Versuchen Sie alle mit einzubeziehen in Ihre Entscheidung oder sind Sie der Boss und jeder muss nach Ihrer Pfeife tanzen?

00:18:07: Also die anderen sagen, die meisten sagen dass ich streng bin.

00:18:10: Ich glaube Ihnen auch aber ich wurde mich selbst als entschlossen sehr sozial und sehr, sehr gericht bezeichnen.

00:18:23: Und vielleicht manchmal komme ich zu streng vor aber aus meiner Sicht nur wenn es notwendig ist.

00:18:30: Aber ansonsten Gerechtigkeit ist für mich sehr wichtig.

00:18:34: Hören Sie denn rein ins Team um Entscheidungen fortzubereiten?

00:18:38: Also wenn irgendwas entschieden werden muss hören sie rein und fragen so ab was meint ihr denn?

00:18:41: oder sagen sie einfach Ich weiß eigentlich wo's lang geht und sage jetzt so machen wir das und dann wirds so gemacht.

00:18:46: Nein also ich frage Sicher das Team, was Sie meinen ist es nicht nur einfach um Ihre Meinung zu hören sondern ich habe einen Ausbildungsauftrag und ich möchte wissen wie weit sie sind jeder Einzelne.

00:18:58: Ich frage nicht nur in der Runde sondern auch jeden Einzelnen was meint man?

00:19:03: Was wurdest du machen in dieser Situation?

00:19:05: Auch organisatorische Sachen erwarte ich dass sie selbstständig werden.

00:19:08: schließlich soll ihr Ziel sein auch leitende Positionen zu übernehmen.

00:19:14: Und da bereite ich sie auch vor.

00:19:15: organisatorisch, das heißt ja, ich tausche mich mit den Kollegen aus und nicht stellten, übernehme ich auch ihre

00:19:23: Vorschläge.".

00:19:24: Was heißt es denn sonst Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus Kasper Brauchsel zu sein?

00:19:28: Also da gibt's ja... Ich weiß nicht, ein halbes Dutzend fünf, sechs, sieben Chefarzstellen oder wie viele

00:19:32: sind noch...?

00:19:32: Ich glaube neun oder zehn zur Zeit, ja.

00:19:34: Was heißt das im Vergleich zu einer Station zu leiten oder eine Fachklinik zu

00:19:38: leiden?".

00:19:40: Ähm...

00:19:41: Außer, dass man mehr Geld verdient.

00:19:44: Das mit dem Geld verdienen weiß ich jetzt nicht!

00:19:45: Ich weiß nicht wie viel die anderen oder die Leitende aber erst zu verdienen das weiß ich es nicht.

00:19:49: Aber ich mich färme mich nicht, wir verdienen gut.

00:19:54: Die Stelle als Chef-Ass im EVK Kastro Broksel ist eine Position, die die Möglichkeit bietet mit sehr netten engagierten freundlichen Menschen zusammenzuarbeiten.

00:20:08: über die Jahre entwickelt sich so ein Verhältnis und das helft bei den in den schwierigen Zeiten.

00:20:14: Wenn man sich denkt, ach ich weiß es hin und dann erinnert man sich daran wie viel man eine soziale Kontakte aufgebaut hat und man vermisst auch die Leute wenn man ein paar Wochen weg war und das finde ich wirklich super.

00:20:29: also die Stimmung insgesamt gerade mit Stimmt den Menschen ist sehr, sehr gut und es hat sich ein sehr gutes Verhältnis entwickelt.

00:20:36: Also

00:20:36: da meinen Sie schon den Kontakt zu, weiß ich nicht, Kühne oder...

00:20:42: Ich meine auch im Pflegebereich, ich meine Pflegedienstleitung, ich mein OP-Personal, verschiedene Diszipline ob das Internistin, eines Desisten sind, ob das Neurologen sind.

00:20:56: Ich meine wirklich Psychiaterpsychologen.

00:21:00: Alle, also ob der kleinsten Mitarbeiter vom Haus bis zur Verwaltungsleiter.

00:21:06: Ich höre ja total gerne mal rein!

00:21:08: Jetzt habe ich natürlich jemand aus der Chefetage.

00:21:10: aber wie ist denn so die Stimmung im evangelischen Krankenhaus-Kastroprauksel?

00:21:14: Also unter den und in der Belegschaft... Ist da eher so?

00:21:17: Sie wissen wir haben politische Druck durch Krankenhausreformen aber auch gesellschaftliche Veränderungen auch wirtschaftliche Probleme bzw schon lange kein Wachstum mehr in Deutschland.

00:21:28: Wie ist da so die Stimmung in der Belegschaft?

00:21:30: Ist da ein großer Druck, den man täglich spürt.

00:21:33: Man muss mehr Patienten durchschleusen und mehr leisten oder weniger Pausen machen?

00:21:39: Oder ist es eher kameradschaftlich geprägt?

00:21:42: Was ist ihr Eindruck?

00:21:45: Also werden wir Phasen, wo man sehr optimistisch ist und denkt, das läuft ja alles.

00:21:52: Wir haben genug Personal, genug Patientin.

00:21:53: Das läuft ja besser.

00:21:57: sind diese Phasen immer kürzer geworden, immer kleiner geworden.

00:22:00: Das hat Gründe im Gesundheitssystem zum Beispiel die Krankenheilsreform sehr bestimmt mitbekommen dass wir unsere Abteilung, also ich habe die Abteilungen für Indobrothetik aufgebaut als ich gekommen bin.

00:22:13: Kannst

00:22:14: du da einmal den Fachbegriff erklären?

00:22:15: Was ist das?

00:22:16: Also

00:22:16: die Operationen an Wechsel-Oberationen an großen Gelenken wie Hüfte und Knie.

00:22:24: Schulter gehört nicht dazu zu der Reform aber zurzeit gilt es nur für Knie und Hüftbrotesen.

00:22:30: Ersatz von Kniehund & Hüfter.

00:22:35: Es gab die Entscheidung durch das Ministerium, welche Krankenhäuser diese Operation weiterführen dürfen.

00:22:41: Und wir haben bei der ersten Anhörung diese Zulassung bekommen und dann hat die Geschäftsführung intern entschieden dass die Zulassung von Castro Brauxel an Gelsenkirchen abgegeben wird.

00:22:57: Mir hat man freigestellt in einem von den Krankenhäusern innerhalb des Unternehmen Meine Operation durchzuführen und das mache ich seit circa einem Jahr in Witten.

00:23:07: Jeden Donnerstag fahre ich nach Witten und operiere meine Knien und Hüfte dort.

00:23:12: Das hat dazu geführt, dass wir im Krankenhaus weniger Patienten haben – in Kasobrauxel und somit weniger Einnahmen.

00:23:20: Selbstverständlich hat es

00:23:21: auch... Und gerade diese Operation gelten noch ein bisschen als Cash-Cow für die Geschäfts-Zurung der Klinik.

00:23:26: Absolut, das ist

00:23:27: sehr lukrativ und da sind geplante Operationen,

00:23:31: d.h.,

00:23:31: man kann langfristig planen.

00:23:34: Die sind finanziell attraktiv natürlich und vor allem ... Das ist eine Aufwertung für eine Abteilung wenn man auch diese Operationen anbieten kann.

00:23:42: Auch für die Ausbildung, die Assistentin, die Oberärzte müssen auch diese operationen vorweisen, wenn sie ihre Facharsprüfungen machen.

00:23:49: Natürlich hat das uns belastet, nicht nur mich persönlich weil ich das aufgebaut habe.

00:23:55: Sondern auch dem gesamten Krankenhaus.

00:23:57: weniger Patientin, weniger Einnahmen.

00:23:59: automatisch hat man ein bisschen Sorgen gehabt dass Stellen abgebaut werden und in der Tat langfristig wird es auch dazu führen dass wir weniger Personal in unseren Bereichen haben.

00:24:10: Ich hab jetzt schon eine Oberarztstelle praktisch verloren wenn dieses vorübergehend weil wir insgesamt weniger operieren.

00:24:16: Ich kann zwar verstehen, finanziell macht es ja Sinn.

00:24:20: Aber die Abläufe sind dann gestürzt weil das was man über Jahre etabliert hat muss auf weniger Personal verteilt werden.

00:24:29: auch das OP-Personal macht sich große Sorgen.

00:24:32: Es gab Tage dann wo wir viel weniger operieren konnten dadurch dass wir weniger Patientin geplant haben Und dann kommen manchmal so viele Notfälle auf einmal und mit dem wenigen Personal muss man das bewerkstelligen.

00:24:49: Diese Turbulenz, in die fehlende Stabilität hat natürlich zu verunsichern geführt neben den allgemeinen Einflüschen, die von draußen kommen.

00:24:57: Wir haben Ukrainekriege wir haben Krieg, wir haben den Krieg im Nahen Osten Die Corona hinter uns, Corona-Krise und alles das hat natürlich dazu geführt dass die Leute weniger Geld haben.

00:25:10: Und mehr ausgeben müssen.

00:25:12: Natürlich tauscht man sich aus ob das in dem Pausen ist oder bei Besprechungen ist.

00:25:16: Und Leute werden häufiger krank.

00:25:20: Sie sind insgesamt unzufrieden.

00:25:22: Das merken wir am Alltag definitiv.

00:25:24: Was wie gehen sie dann damit um?

00:25:26: Also sie sind ja auch in so einer Sandwich Position, Sie müssen zum Teil ja auch Entscheidungen der Geschäftsführung nach unten mit vertreten eigentlich.

00:25:34: Aber sind ja als Leiter einer Abteilung dann auch so ein bisschen der Klassen-Sprecher nach oben.

00:25:39: also da müssen sie ja auch die Lobbyarbeit für ihre Mitarbeiter dann nach oben in die Geschäftsierung tragen.

00:25:46: mehr arbeiten

00:25:47: wie

00:25:49: das Spektrum noch weiter erweitern um die fehlenden Eingriffe zu kompensieren habe ich auch über die Jahre gemacht.

00:25:55: wir haben die Schulter in der Brutiatik vor circa sechs Jahren eingeführt.

00:25:59: mittlerweile machen wir siebzig-siebzig Operationen im Jahr.

00:26:01: Das ist schon eine sehr, sehr große Zahl.

00:26:03: hier

00:26:03: in Kassau

00:26:04: braucht

00:26:04: es wird also das Schultergelenke weg schultergelenk

00:26:06: wird gewechselt und zwar habe ich diese Woche drei Stück gemacht.

00:26:09: dass nicht wenig

00:26:11: das ist komplexer als knie oder hüfte

00:26:14: das ist.

00:26:16: Insgesamt ist es komplex aber für ein erfahrenes ist es an Routine Eingriff sagen wir mal so nicht jedes Krankenhaus bietet das an Und das ist natürlich etwas was uns diese Last ein bisschen wegnimmt, dass wir auch lukrative und hoherwertige Operationen anbieten können.

00:26:35: Und nicht nur das, die Patienten, die mit Schulterprobleme zu uns kommen, mit dem gesamten Spektrum versorgen können – also ob sie eine normale Schulterspiegelung brauchen, ob sie einen normalen Bruch haben, der mit einer Platte versorgt wird oder ob sie komplexe Fraktur, also Bruchverletzung haben oder Arthrose haben.

00:26:58: Wir können die Schulter in Kastroproxil von A bis Z

00:27:02: versorgen.".

00:27:03: Und das ist dann etwas Neues was man sich als Schwerpunkt setzt wo man die Abgänger auf der anderen Seite ersetzen kann?

00:27:11: Mindestens zum Teil!

00:27:13: Okay weil Schultern nicht so häufig vorkommen wie Hüfte und Knie.

00:27:15: Weil Hüftel ist schon eine altersbedingte Standard-Operation.

00:27:19: So ist

00:27:20: es.

00:27:20: Patientin mit Arthose, mit Verschleiß einem Schultergelink können das ober die Bewegung von der Halswebelsäule in den Bogen und Handgelenk kompensieren.

00:27:28: Das Gelenk

00:27:29: ist viel flexibler

00:27:30: als... Das ist richtig, es ist ein muskelgeführtes Gelenke und das wird rotiert, also gedreht in drei Dimensionen und somit kann man das ein bisschen besser kompenser durch Bewirkungen von der Haltswebelsaule in dem Bogen- und Handgelenk.

00:27:42: Beim Laufen braucht man die Hüfte fertig?

00:27:44: So ist es!

00:27:45: Hüftel und Knie brauchen wir als Stand, für Belastung, Mobilität usw.. Aber im Bereich von der Bickenschirurgie haben wir auch vor einigen Jahren die minimale invasive Versorgung von Bickenbrüchen und so weiter, das bieten wir an.

00:27:57: Im Bereich der Allgemeinschirururgie, weil ich auch Allgemeinchirug bin, versorgen wie die Patienten mit infizierten Wunden, mit diabetischem Fuß usw.

00:28:07: Das heißt um auf ihre Frage zurückzukommen also meine Aufgabe ist es den Leuten ein bisschen Sicherheit zu vermitteln.

00:28:15: und Sicherheit kann nur entstehen indem man diese Defizite kompensiert Und ich versuche das durch Erweiterung vom Spektrum und besonders diese lokalativen Eingriffe, die vergleichbar sind intensiver und häufiger zu machen.

00:28:27: Was ist denn für Sie als Arzt jetzt?

00:28:29: Ist ja oft eine Abwägungssache glaube ich!

00:28:32: Man hat einen Ethos, ein medizinischen Ethos auch einen Codex der gilt in der Ärzteschaft

00:28:37: usw.,

00:28:38: bis zum Hippokratischen Eid vielleicht keine Ahnung.

00:28:41: man hat aber auch den Druck von der Geschäftsführung du musst ne Fallzahl haben Man kann ja dann theoretisch als Arzt ist man derjenige, der das Königswissen hat.

00:28:51: Gegenüber den Patienten kann sagen du brauchst jetzt aber unbedingt das neue Schultergelenk.

00:28:56: Das hilft einem bei der Fallzahl.

00:28:57: die Geschäftsführung klatscht Applaus und sagt super hast wieder eine Schulter operiert bringt uns Geld.

00:29:02: Der Patient denkt vielleicht auch, ja ist super.

00:29:04: Vielleicht war es aber gar nicht notwendig medizinisch.

00:29:07: Es ist doch immer so eine ganz schwierige Sandwich-Position als Arzt wo man dazwischen hockt und entscheiden muss wie verkraftet man das quasi da immer die richtige Entscheidung für alle Seiten zu treffen?

00:29:20: Also gerade also erst vielen Dank für die Frage!

00:29:23: Das ist eine Frage die wirklich besprochen werden muss.

00:29:27: ich glaube die Vorstellung von draußen Druck von der Geschiffsführung usw.

00:29:31: und sofort wird manchmal falsch verstanden.

00:29:33: Ich habe es nie erlebt, dass ich angerufen werde Und man mir sagt okay Herr Osterwasser haben zu wenig oberliert Sie müssen mehr machen.

00:29:40: so ist das nicht.

00:29:40: wir haben Abteilungs-Bügesitzungen viermal im Jahr durchschnitt.

00:29:45: Wir haben Gespräche einmal mit verschiedenen Krankenhäusern gemeinsam in der geschiftsführung.

00:29:51: natürlich werden die Zahlen vorgestellt.

00:29:53: Eigentlich braucht man uns nicht unbedingt explizit zu sagen wie sehen sie auch selber Wenn die Motivation erst nur von extern kommen soll, dann funktioniert es nicht.

00:30:03: Also meine Einstellung ist so.

00:30:05: ich brauche nicht dass jemand mir von außen sagt komm du hast zu wenig gearbeitet.

00:30:10: nein das machen wir selber aktiv das ist das.

00:30:12: eine zweite Sache ist oft verbindet man Chirurgie mit einem Art der ein Messer in der Hand hat vergesst dabei oder vielleicht vermitteln wie Ärzte das nicht dass wir sehr viele Patienten konservativ behandeln.

00:30:24: Das bedeutet ohne Operation und ohne Narkose.

00:30:27: Also zu mir in der Sprichtunde kommen extrem viele Patienten, die gar keine Operation brauchen.

00:30:31: Sie kommen zur Beratung und bekommen von uns Rezepte für Krankengipnastik für verschiedene Physiotherapie-Maßnahmen.

00:30:40: Ich bin selber manual Mediziner – das bedeutet ich habe der Ausbildung als Manual ... für die Manualtherapie gemacht und behandle auch den Patienten mit meinen eigenen Händen wenn es nötig ist ohne sie operieren zu müssen!

00:30:52: Und das ist der Weg.

00:30:53: Das heißt dass man Alle Optionen hat sowohl operativ als auch konservativ, um dem Patient das anzubieten.

00:31:01: Was ihm hilft und was den Patienten weiterbringen kann.

00:31:06: Und letztendlich die Leute informieren sich heutzutage ob alles mögliche mit KUGEL

00:31:13: und

00:31:14: KI usw.

00:31:15: Also die meisten Patienten sind schon sehr gut aufgeklärt.

00:31:18: Das heißt dass ich über den Patient hinweg bestimme.

00:31:22: Also ich glaube, das kommt sehr selten vor.

00:31:24: Was ist wenn Sie selbst mal Patient sind?

00:31:27: Kommt ja vielleicht auch in einem Fachbereich, wo Sie sich nicht so perfekt auskennen wie Sie das schildern würden Sie dann immer sagen, ach ich hol mir lieber noch einen zweiten Rat.

00:31:39: Neutrale Instanz ohne dass der Zweite schon weiß was er empfohlen hat um einfach abzuklopfen... Ist jetzt der richtige Ratschlag auf... für den Patienten?

00:31:50: oder ist das eher einer, der auf die Kohle guckt?

00:31:54: Also meistens hat man ein Gefühl dafür.

00:31:57: Auch als Patient, selbst wenn man sich nicht gut auskennt.

00:31:59: Wenn man das Gefühl hat dass man nicht ausreichend aufgeklärt wurde, wenn man das gefühl hat, dass es Alternativen geben kann dann niemals schnell die Entscheidung treffen.

00:32:10: Wirklich immer auch meine Patientin, die zu mir kommen.

00:32:12: ich kann nur dazu raten wenn man nicht ein hundert Prozent überzeugt ist bitte warten.

00:32:17: zweite Meinung dritte Meinung was ich übrigens sehr häufig selber vorschlage.

00:32:21: Ich schlage meinen Patienten manchmal vor die nicht ganz überzeugt sind dass sie sich woanders vorstellen und sich in zweite dreht oder vierte Meinung holen.

00:32:29: Also das mache ich auch selber aktiv.

00:32:31: Da haben Sie keine Angst, keine Scheu?

00:32:34: Im

00:32:35: Gegenteil!

00:32:36: Ich finde das extrem wichtig.

00:32:38: Ich möchte niemanden operieren gerade bei einem Wahleingriff der nicht ein Hundert Prozent überzeugt ist.

00:32:42: Er soll sich bitte nicht von mir operieren lassen weil sobald irgendetwas nicht gut läuft und das kann ja vorkommen wie sind Menschen?

00:32:52: dann wurde er sich denken ich habe es mir gedacht und das will ich nicht.

00:32:56: Also gerade bei Wahleingriffen, da sollen die Patienten wirklich sich Zeit lassen und wenn sie es brauchen.

00:33:03: Zweite, dritte oder vierte Meinung holen.

00:33:05: Da habe ich kein Problem mit dem.

00:33:06: Wie oft kommt's dann so vor dass Sie richtig Rechtsanwälte gegen sich haben?

00:33:10: Klageverfahren passiert das auch im Alltag oder ist das eigentlich eine große Ausnahme?

00:33:15: Also ich glaube das Anwälterversicherungen in Deutschland sind sehr einflussreich Und die meisten Leute haben auch Richtschutzversicherung.

00:33:23: Also das lässt sich nicht vermeiden, wir haben das immer wieder.

00:33:28: Wir haben auch unsere Rechtsabteilung.

00:33:30: es muss selektiert werden, was ist sinnvoll?

00:33:37: Was ist nicht sinnvoll?

00:33:38: Stellungnahme wenn wir Fehler machen?

00:33:40: natürlich muss man die Fehler einfach eingestehen, wenn es nachgewiesen wurde.

00:33:47: wie sind Ausbildungsstädte also?

00:33:49: meistens sind es unauffahrene Kollegen die den Fehler machen.

00:33:52: aber Auch erfahrenen Chirurgen kann auch ein Fehler unterlaufen und im Prinzip sind wir genauso wie alle anderen Krankenhäuser.

00:34:01: Wir haben auch Fehler, und wir haben manchmal Prozesse die wir oberjahre auch schreiten müssen.

00:34:09: Wenn Sie jetzt zehn Jahre EV Karma so im Rückblick sich anschauen bedauern sie da irgendwas?

00:34:13: Eine Entscheidung, die Sie getroffen haben oder einen Fehler, wo Sie heute anders vorgehen würden?

00:34:22: Was mich am meisten belastet ist, dass ich vieles aufgebaut habe und dabei selber keinen Fehler gemacht habe.

00:34:32: Aber die anderen für mich eine Entscheidung getroffen haben, die nicht passt zu meiner Leistung.

00:34:38: Das ist das was mich... Ich hab es auch offen kommuniziert.

00:34:42: Haben Sie mal darüber nachgedacht dann zu gehen in der

00:34:46: Zeit?

00:34:46: Ja!

00:34:46: Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde nein.

00:34:48: Warum

00:34:48: sind Sie noch da?

00:34:50: Das ist eine sehr gute Frage!

00:34:51: Wir haben anfangs gesagt was man sich alles aufbaut über zehn Jahre und also ob es gibt ja Vorteile, Nachteile, positive und negative Sachen.

00:35:01: dann muss man's abwägen und man guckt sich natürlich um und hört sich Sachen an und vergleicht.

00:35:07: Was habe ich davon wenn ich jetzt weggehen wurde?

00:35:09: Ich musste viele Sachen neu aufbauen.

00:35:13: Also diese Veränderung betrifft nicht nur Kastrop-Brauxel, sondern auch an Wissfahren.

00:35:17: Und das streckt sich aus auf die ganze Republik von Norden bis Süden und Ostern bis Westen.

00:35:23: Eine Veränderungen mitzumachen in dieser Zeit ist es ein gewisses Risiko dabei.

00:35:28: Von daher sind Abwägungssache.

00:35:30: Man versucht das Beste daraus zu machen, sagen wir mal so.

00:35:33: Sind Sie denn wohl noch in fünf Jahren da?

00:35:35: Weiß ich nicht!

00:35:37: Wie alt sind sie nochmal?

00:35:39: Also wenn Veränderungen dann vielleicht jetzt nochmal oder kann man auch später noch machen?

00:35:44: Ich

00:35:45: glaube es gibt die Mediziner, die mit siebzig Jahren noch arbeiten.

00:35:48: Weiß ich jetzt nicht!

00:35:49: Ich glaube ich gehöre dazu da dass sich nur dann aufhören wurde, wenn ich wirklich körperlich und gesundheitlich den nicht mehr kann wie sich das in den nächsten fünf Jahren entwickeln würde.

00:35:58: Hätten Sie mir die Frage vor drei Jahren gestellt, dann hätte ich gesagt definitiv ja.

00:36:03: aber mit der neuen Entwicklung muss mal schauen wie es weiter geht weil die Belastung ist höher.

00:36:08: Wir müssen nicht nur vor Ort denken, sondern in der Breite auch die Kommunikation an anderen Krankenhäuser.

00:36:17: Neue Geschäftsführung, die sich neu positioniert und so weiter und so fort.

00:36:21: Das ist alles beeinflusst unserer Entscheidungen!

00:36:23: Ist das denn besser?

00:36:23: In diesen größeren Verbünden?

00:36:25: oder ist es eigentlich zu schwierig?

00:36:27: Weil Sie haben ja von diesem EVA-Ruhr gesprochen wo jetzt Augusta den Kirchen mit dabei ist.

00:36:33: Witten hatten Sie selbst angesprochen, ist ja schon länger Teil der evangelischen Krankenhausgemeinschaft.

00:36:37: Aber es sind jetzt in wie vielen Klinikstandorte sieben?

00:36:40: Also vorher waren's drei oder vier mit Hernewanne, Witten und Kassau-Brauchsel.

00:36:46: Das wird unübersichtlicher alles.

00:36:48: oder ist das eigentlich besser für eine Gesellschaft, weil sie dann besser eben diese Schwerpunkte bilden kann und sagen kann gut da machen wir das einen in Gelsenkirchen, dass anderen witten.

00:36:58: Und fokussieren uns in Kassau-Brauxel auf eine dritte Sache.

00:37:01: ich weiß nicht ob es die Geriatrie ist oder die Psychiatrie wo ja Kassauer Brauxel durchaus auch für bekannt ist.

00:37:06: Gerade diese Frage sollte vielleicht mal an die Geschäftsführung gestellt werden.

00:37:09: Habe ich

00:37:09: schon öfter gemacht?

00:37:11: Also, ich sehe aus meiner Perspektive als Arzt also in der Summe für mich persönlich was mich persönlich anbetrifft meine Abteilungen und so weiter.

00:37:20: das war bisher eine In-der-Summe Annachteil.

00:37:25: aber Ich kann sehr gut verstehen warum die geschäftigung dieser Entscheidungen trifft Und ehrlich gesagt ich habe das Gefühl ohne diese Maßnahmen diese Physionen wird es heutzutage gar nicht gehen.

00:37:38: Steigende Kosten, auch die Gehälter müssen angepasst werden usw.

00:37:43: Ich kann sehr wohl verstehen wenn man lange als Konzern bestehen will dann muss man bestimmte Veränderungen vornehmen.

00:37:50: jetzt hat mich getroffen sage ich mal so und natürlich kann ich nicht behaupten dass ich zufrieden bin aber ich habe verständnis dafür warum die Entscheidung getroffen wurde.

00:38:00: ich bedauere es aber das ist zu meinem Nachteil war.

00:38:03: Also was ist denn dann jetzt Ihr konkretes Ziel in den nächsten Jahren?

00:38:06: Was bauen Sie jetzt genau auf oder woran arbeiten sie mit dem Team.

00:38:11: Oder wissen Sie das noch gar nicht so genau... Doch,

00:38:13: ich habe eine klare eigentlich Vorstellung, was ich mache.

00:38:16: Du kannst

00:38:16: noch nicht verraten.

00:38:17: Doch!

00:38:18: Ich kann es auch verratenen.

00:38:20: Medizinisch spielte sehr gerne aus und möchte gern weiterhin intensiv meine Assistentärzte, meine Oberärzte weiterentwickeln, dass sie selber selbstständig werden und auch ihren Weg machen.

00:38:31: Das ist mir wichtig.

00:38:33: Ich werde versuchen, weiter neugierig zu bleiben und vielleicht mal neue Bereiche zu entwickeln.

00:38:38: Ich habe fast jedes Jahr etwas zum Spektrum dazugenommen.

00:38:42: Ich bin häufig auf Fort- und Weiterbildungen und ich habe dadurch extrem vieles gelernt und selber praktiziert auch das Spektrumbereich im Krankenhaus.

00:38:53: Mein Ziel ist es, das Niveau von Castlebrocks nicht nur zu halten sondern weiterzuentwickeln und dass wir sogar mit den Unikliniken, was Spektrum angeht auch versuchen mitzuhalten.

00:39:03: Ich denke mal das die Abteilung im Stande ist auch das zu schaffen.

00:39:09: Lass uns noch einmal ein bisschen persönlicher werden.

00:39:11: wenn Sie sind aus dem Gasastreifen hergekommen wie sehr prägt sie das bis heute eigentlich?

00:39:16: Das was sie da als Kind in der frühkindlichen Prägung erlebt haben.

00:39:21: Inwieweit spielt das eine Rolle für ihre heutige Arbeit?

00:39:24: Extrem!

00:39:26: Also ich bin vierundzwanzig Stunden im Gedanken, im Gaserstreifen.

00:39:32: Ich kann das nicht verleugnen und ich kann es nicht verstecken.

00:39:36: Es war eine sehr intensive Zeit.

00:39:40: Ich bin unter Besatzung geboren aufgewachsen.

00:39:43: Ich habe sehr viel gelitten unter der Aggressivität der Besatzer, der Soldaten.

00:39:49: Und ich habe sehr viele Freunde in meiner Jugend verloren die erschossen wurden.

00:39:56: Der Volksaufstand im Jahr sieben und achtzig habe ich miterlebt.

00:40:00: Ich war es fünfzehn, sechszehn Jahre alt.

00:40:02: Ich hab drei jahrelang unter Kriegsumständen gelebt und oberlebt.

00:40:07: meine Familie ist noch da.

00:40:08: wir haben in den letzten zwei Jahren über fünfzig Personen in der Familie verloren.

00:40:13: unser Haus wurde um bei dir zerstört.

00:40:17: immer noch lebt meine Schwester oder zwei Schwestern leben in Zeltlager und haben kaum zum Essen zu trinken.

00:40:24: Eine Nichte, die Dialyse pflichtig wurde ist gestorben weil sie nicht die Möglichkeit hatte behandelt zu werden.

00:40:33: Andere Sachen erspare ich Ihnen in der Einzelheiten aber Sie können sich das vorstellen und von daher... Ich kann ja nicht anders.

00:40:39: es ist im Prinzip mein Schicksal.

00:40:43: auf der anderen Seite überlege ich mir was kann ich tun?

00:40:45: Ich unterstütze die Leute dort so viel ich kann Also

00:40:49: vor allem finanziell

00:40:50: oder?

00:40:50: Finanziell vor allem aber moralisch mental.

00:40:55: Ich habe Kontakt zu Ärzten dort mit Teil an WhatsApp-Gruppen für Beratung bei bestimmten Verletzungen und so weiter, was man machen kann.

00:41:05: Die Bayerischen Ärzte in Deutschland haben sich auch so organisiert, dass wir eine Distanz Ratschläge geben können, wie die Behandlung verbessert werden kann.

00:41:16: Einreisen dort dürfen wir nicht.

00:41:18: Auch nicht als Teil einer Hilfsorganisation, ich weiß nicht, KADUS oder Ärzte ohne Grenzen?

00:41:23: Alles

00:41:23: Palästinenser darf man nicht!

00:41:26: Ich habe ein Freund, eine ägyptische Kollege der mit mir in Lüdenscheid gearbeitet hat.

00:41:30: er war zweimal dort.

00:41:32: Er durfte einreisen weil er kein Palästenenser war.

00:41:34: aber die Belastinenser werden sie bekommen keine Einreiseerlaubnis.

00:41:38: Hintergrund ist weil die möglicherweise politisch

00:41:43: Die Behörden, die die Zulassung erteilen wollen ja das Land von Palästinensa evakuieren und nicht dass Palästeinsa dort hinkommen.

00:41:50: Und von daher die Gäste, die kommen, das ist ja gesichert, dass sie wieder das Land verlassen.

00:41:55: Das Land soll ja leer werden damit Siedlungen dort gebaut werden.

00:41:59: Von daher für uns Palästeniser ist also... Ja, man gehört in der Heimat zurück, das will man aber nicht!

00:42:07: Ist das für Sie auch so im Klinikalltag manchmal Thema oder gar nicht?

00:42:11: Also können Sie es während der Arbeit alles ausblenden, werden sie darauf angesprochen.

00:42:15: Gibt es vielleicht sogar Diskussionen mit Patienten oder so die vielleicht auch neugierig sind woher sie abstammen?

00:42:22: oder wie ist das in Ihrem beruflichen Alltag hier

00:42:25: also immer wieder gibt's Patientinnen die Neugieriges sind.

00:42:28: ich persönlich empfinde das als sehr positiv dass man sich für den anderen interessiert.

00:42:32: Ich frage auch manchmal patienten aus welchem auf welche Ecke aus Deutschland sie kommen, wenn sie einen besonderen Akzent haben.

00:42:39: Weil ich ein bisschen rumgekommen bin und ich finde das angenehm.

00:42:42: also wenn man fragt natürlich der Ton ist entscheidend warum...

00:42:46: Also manchmal schwingt somit um wann gehst du wieder weg oder so?

00:42:49: In diese

00:42:49: Frage kommt dann antworte ich dass nicht.

00:42:52: Sie haben mich hier für eine Ewigkeit Ich verlasse das Land nie.

00:42:56: Anworte!

00:42:58: Ja also es immer wieder wird die Frage gestellt wo kommen sie her?

00:43:02: und so weiter.

00:43:03: viele Leute halten mich für Syrer.

00:43:06: viele denken, dass ich mit der letzten Welle gekommen bin.

00:43:10: Ja aber auf den Krieg angesprochen.

00:43:15: natürlich hat man oft ein bisschen Solidarität, aber ich merke das die Leute absolut nicht aufgeklärt sind über die politische Lage dort also im großen Ganzen dem meisten Leute haben wirklich ganz ganz wenig

00:43:25: Ahnung.

00:43:27: es ist auch sehr komplexes Thema und irgendwie ist es schwer, auch die richtige Antwort darauf auf viele Fragen zu finden.

00:43:34: vielleicht aber wir wollen jetzt natürlich hier auch keine politische Diskussion sein.

00:43:37: Das wird aus meiner Sicht auch zu weit führen.

00:43:39: da werden sie mir natürlich auch mit ihren Kenntnissen und ihrem Wissen von vor Ort überlegen.

00:43:44: ich war mal vier Wochen in Israel um Palästina habe dann eine Rundreise gemacht war nicht im Gaza streifen aber in palästinensischen Gebieten.

00:43:52: Hab also zumindest das mal kennengelernt, wie das so ist mit dem Siedlungsbau auf den Bergen überall im Land verteilt und so.

00:43:59: Und diese Schwierigkeit die sich dann ja in Jerusalem zum Beispiel auch sehr fokussiert irgendwie in einem Melting-Port wo alle jüdische christliche, aber auch arabische Tradition sich irgendwie auf einem Tempelberg vereinen oder eben auch nicht vereinen.

00:44:16: Das ist ja dann vielleicht auch der Konflikt und so.

00:44:18: Aber das würde jetzt hier zu weit führen.

00:44:20: Wurden Sie schon mal angesprochen?

00:44:24: Wann kommt denn der Arzt wenn sie ins Zimmer gehen also insofern als dass man sagt er ist ja Ausländer, der kann ja gar nicht irgendwie Chefarzt hier sein oder so?

00:44:33: oder ist das

00:44:33: passiert so was gar nicht mehr persönlich nie passiert?

00:44:38: Diese Art von Diskriminierung habe ich selber nicht erlebt.

00:44:44: Wenn es hinter meinem Rücken passiert ist, dann habe ich das nicht mitbekommen.

00:44:47: Nein also die meisten Patienten und ich wollte mal sagen über neunzig Prozent aller meiner Patientinnen sind deutsche Staatsbürger Und ich werde mit Respekt und wirklich an Erkennung begegnet Also von Seiten der Patientin her da kann ich mich wirklich nicht beschweren Im Gegenteil.

00:45:04: Also ich habe auch ein sehr, sehr gutes Verhältnis zu meinen Patienten und was das angeht.

00:45:09: Ich kann mich also als ich noch Assistent war ja in Süddeutschland.

00:45:13: Es gab zwar drei Vorfälle aber da hat mein Schiffarzt zu mir gestanden und die Leute auch rüchtige Antwort gegeben.

00:45:22: Aber jetzt meine Position als Schifffahrts.

00:45:25: ich kann mich an keinen einzigen Vorfall erinnern wo ich mich benachteiligt gefühlt habe im Gegenteil.

00:45:31: Also respektvoll und wirklich anerkennend Da kann ich mich wirklich nicht beschweren.

00:45:36: Wenn Sie jetzt so im Alltag zur Arbeit fahren, machen Sie das mit einem guten Bauchgefühl gerade?

00:45:40: Oder denken Sie, ach nee irgendwie passt es grad nicht?

00:45:44: Das sind der einzelnen Tage wo ich ein schlechtes Bauch gefühlt habe und wo ich dran denke warum ich noch da bin.

00:45:51: Aber am Großen und Ganzen, ich höre manchmal Musik.

00:45:55: Manchmal löscht Nachrichten... ...und versuche mich so weit zu entspannen und positiv zu denken.

00:45:59: Und dann um die Uhr habe ich das und das geschafft.

00:46:03: Das wird ein toller Tag

00:46:04: werden!

00:46:04: Freuen Sie sich am meisten auf Tage wo sie fünf bis sechs Operationen haben?

00:46:07: Oder eher wo sie im Büro sitzen oder eine ganz normale Sprechstunde machen in der Ambulanz oder so?

00:46:12: Versuchen Sie mal den Termin bei mir auszumachen.

00:46:14: Wenn wir das rekretieren, dann werden Sie die Verantwortung bekommen.

00:46:17: Ich sitze nämlich fast nie im Bürow.

00:46:20: Also ich sitze zu zehn Minuten vierte Stunde, wenn ich mit dem Tag anfange.

00:46:26: Ich mache einen Ausdruck von meinen Patienten nach den Laborwerten, nach den Operationen vielleicht mal die wichtigsten Rundkernaufnahmen und versuche mal organisatorisch Aufnahmen Entlassungen abzusecken.

00:46:37: Aber dann gehe ich in die Besprechung, mach meine Visiten Und in der Regel gehe ich im OP, mach manchmal die Sprechstunde.

00:46:46: Im Büro sitze ich wirklich extrem selten viel seltener als ich gerne möchte, weil es gibt Fehleraufgaben die liegen bleiben und selbst wenn man eine Zeit hätte nach siebzehn Uhr.

00:46:58: Man hat nicht die Energie und die Konzentration das wirklich so zu erledigen wie es sein soll.

00:47:03: Wie viele Stunden arbeiten Sie in der Woche?

00:47:04: Im Durchschnitt zehn eher elf

00:47:07: am Tag

00:47:07: richtig.

00:47:08: Pausen?

00:47:09: Ich kenne keine Pausens.

00:47:11: Wenn ich Pause habe dann zwischen den OP's drinken Kaffee oder arbeite im Computer nehme ein Glas Wasser und nebenbei mach ich was irgendwas am Computer oder Telefonier.

00:47:19: Kann ich irgendwie nachvollziehen, ein geistes spür' ich das?

00:47:22: Ich arbeite irgendwie ähnlich.

00:47:25: also es gibt Kollegen die sitzen dann eine Stunde zusammen machen Mittagspause essen was unterhalten sie sich über Gott und die Welt ist auch schön!

00:47:31: Ich bin da meist so fünf Stunden dabei.

00:47:33: wenn mein Teller leer ist bin ich eigentlich der erste der wieder aufstehen.

00:47:36: aber wissen Sie ich glaube die anderen haben recht

00:47:38: Ja warum?

00:47:40: Es ist gesunder.

00:47:41: Also man sollte schon zwischendurch mal Pausen machen.

00:47:45: deswegen auch da Gesetzgeber auch im Pausen vorgeschrieben.

00:47:48: Vielleicht können wir in unserem Beruf, je nachdem wie man ausgelastet ist das nicht so umsetzen.

00:47:56: aber ich glaube es ist gesunder wirklich abzuschalten auch von der Leistung her.

00:48:01: Ich glaube dass wenn man mehr Energie hat dann dass man eine bessere Leistung bringt.

00:48:05: Wir springen jetzt mal in dem Abschlusskontext ein bisschen zurück und machen jetzt einmal einen Denkmodell.

00:48:11: also wenn sie nochmal achtzehn wären gerade aus Gaza irgendwie nach Deutschland kommen Und heute würden sie nebeneinander sitzen.

00:48:19: Worauf wäre der junge Mann jetzt, der achtzehnjährige irgendwie am meisten stolz wenn er jetzt den reifen Chefarzt des EVK sehen würde?

00:48:28: Also anders gefragt ... ich weiß nicht,

00:48:32: wie

00:48:33: hätten Sie sich mit achtzehnten vorstellen können dass die da hinkommen wo sie jetzt sind?

00:48:37: und weiss nicht...wenn man jetzt Vorbilder sucht, wie schafft man das eigentlich?

00:48:43: Ich habe mir nie vorgestellt Chef Arzt zu werden Und ehrlich gesagt, bis ich nach Castro-Brocksel gewechselt habe auch nicht unbedingt gewollt.

00:48:53: Das kam mir gar nicht in den Sinn und ich hab mich auch nicht beworben um die Stelle.

00:48:57: aber irgendwann habe ich gemerkt dass es zwangsläufig man kann nicht sagen ich will nicht.

00:49:01: also übrigens ich wurde mir schon eine Chefartstelle im Jahr zwei tausend dreizehn in Süddeutschland angeboten als ich gekündigt habe Und damals habe ich wörtlich gesagt, ich bin weder fachlich noch organisatorisch soweit eine Chefartstelle zu übernehmen.

00:49:16: Ich sehe mich nicht so weit und ich wollte unbedingt den Wechsel machen damit ich ein bisschen weiter komme

00:49:22: usw.,

00:49:22: weil es war mir klar wenn ich Chefarzt bin dann bin ich die letzte Instanz in der Abteilung.

00:49:28: Ich muss fachlos soweits sein dass ich alles kann was ich von den Kollegen erwarte und zur damaligen Zeitung fahre ich nicht soweite.

00:49:38: Sechzehn war ich dann, glaube ich soweit und dann habe ich gemerkt in Lüden scheide.

00:49:43: Ich hab die drei Jahre im Prinzip fast alles gemacht sogar die Vorstellungsgespräche von Oberärten, Urlaubspläne, Dienstplänen, Privatpatientenversorgung und somit war es einfach.

00:49:53: der nächste Schritt kam automatisch.

00:49:55: aber wenn ich diese Situation, die sie gerade geschildert haben vor Augen hätte, ich würde mal sagen als Nicht Deutscher, der nach Deutschland kommt für die deutsche Sprache nicht kennen.

00:50:07: Die deutsche Kultur und die speziellen Eigenschaften für den Deutschen kennenlernt und mit denen auch handelt.

00:50:17: Also das ist gigantisch aus meiner Sicht.

00:50:19: jetzt... Und ich stolz weiß ich nicht ob es das richtige Wort ist aber Ich bin sehr froh dass sich das so entwickelt hat und ich hoffe dass ich dem Land Patienten und auch meinen Kolleginnen, Kollegen auf was zurückgeben kann und ein gutes Vorbild bin.

00:50:37: Dass die jüngeren Ärzte sich Beispiel nehmen und ich hoffe dass ich dazu beitragen kann das andere auch schaffen.

00:50:47: Ein schönes Schlusswort von Dr.

00:50:48: Mahmoud Abou-Moustafar dem Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses seit zehn Jahren.

00:50:53: vielleicht sehen wir uns in zehn Jahren ja wieder hier um.

00:50:55: wir sprechen über das was dann kommt.

00:50:57: Ich bin begeistert, ich danke Ihnen für diesen Besuch und wünsche Ihnen gesundheitlich sowieso.

00:51:01: Aber auch sonst alles Gute!

00:51:03: Und ich weiß nicht ob Sie wissen womit wir uns hier im Podcast immer verabschieden?

00:51:07: Das weiß ich leider nicht aber ich wollte mich bedanken auf für das angenehme Gespräch und dass sich die Möglichkeit habe über mich, über meine Arbeit oder das Krankenhaus zu

00:51:14: sprechen.

00:51:15: Dann sage ich jetzt das Schlusswort und das ist hier Glückauf.

00:51:19: Ah, das gänne ich Glückauf!

00:51:23: Podcast

00:51:23: – das Spezial.

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